CD-Rezensionen Juni/Juli Teil I
da ins Heft leider keine CD-Besprechungen reingepasst haben, sind hier unsere neusten Rezensionen
Wir haben reingehört in die neuen Werke von Lena, Eagle Seagull, Harriet Lewis & Gregor Hilden Band, Christian Prommer, Tania Maria & hr-Bigband, Billy Cobham, Buika, Portico Quartet, Rusconi, Model Prisoner. Ganz frisch sind auch die CDs von Next Stop Soweto Vol. 2 (V.A.), TV Personalities, Gregor Meyle und Anthony Rother.
Lena
My Casette Player
(Universal)) Ganz ordentlich ist das Erstlingswerk von Lena Meyer-Landrut, die nur noch als "Lena" veröffentlicht. Wie hätte es auch anders sein können, hat doch ihr Mentor Stefan Raab, der schon Max Mutzke oder Stefanie Heinzmann groß rausgebracht hat, mitproduziert. Die Songs swingen sich durchs Ohr, sind angenehm und eingängig. Vor allem sind sie für Lenas eigenwilligen, doch trotzdem Spaß machenden Sprachgesang komponiert wurden und somit klingt alles was "Unser 18jähriger Star für Oslo" so locker flockig dahinträllert im charmanten 20er Jahre-Stil und ist trotzdem noch zeitgemäß. Viele Erfolgsstücke wie die drei Finalsongs der Show, mit denen sie gleichzeitig die Charts stürmte, und auch "My Same" oder "Mr. Curiosity" mischen sich mit neuen Songs, darunter auch Balladen, die etwas zu beliebig und nicht für sie gemacht sind. (cj)
Pop/Soul
Gregor Meyle
meylenweit
(meylemusic) Kennt jemand noch Gregor Meyle? Ja, genau, der ewige Zweite nach Stefanie Heinzmann und wieder eine "Raabsche Entdeckung". Mit seinem bereits zweiten, diesmal von der eigenen Plattenfirma vermarkteten, Werk steht er nun in den Startlöchern und kann im poppigen Einheitsbrei mitmischen. Ja, etwas eingebüßt hat seine Frische und Unverkennbarkeit, die er damals bei "SSDSGPS" und auch auf dem Erstling "So soll es sein" an den Tag legte. Singer/Songwriter gibt es derzeit leider nun mal zu Hauf. Musik mit ehrlichen Texten, die dahinplätschert, und auf keinen Fall verkehrt ist... (cj)
Pop/Singer/Songwriter
Model Prisoner
Cow Milking Music
(Disturbed)Bob Stinson (Replacements) und Legende Sonny Vincent (Testors) sorgten Mitte der 80er Jahre dank ihres explosiven Stils für einige Furore in der Musikwelt. Ihre Shows waren dem Vernehmen nach legendär. Die Augen der Band verschlossen sich ob ihres exzessiven Lebenswandels bereits 1988 der Welt, die von Bob Stinson dann leider auch schon 1995. Mehr als 20 Jahre später nun zaubert Stehaufmännchen Vincent 13 unveröffentlichte Schätzchen der Band aus dem Hut, die es in sich haben. Die drei enthaltenen Live-Tracks glänzen zwar mit etwas trashiger Qualität, der Rest jedoch ist Punk"n"Roll pur. (helü)
R"n"R
V.A.
Next Stop Soweto Vol. 2 (Strut)Was sich hier hörbar zwischen 1969 und 1976 im Schmelztiegel der südafrikanischen Townships trotz stattlicher Apartheid- Reglementierung musikalisch abspielte, ist so farbenreich und vielfältig, dass man die Herkunft der kompilierten Songs kaum vermuten wollte. Klassischen Mbaqanga Kompositionen verschmelzen mit Soul, Funk, Boogaloo und Psychedelia auf große Art und Weise. Das Ergebnis ist hoch spannend. Verquer und funky zugleich. Strut manifestiert hier mit dem zweiten des auf drei Teile ausgelegten Erkundungstrips südafrikanischer Musikhistorie seinen Status als Ausnahmelabel. (helü)
Freistil
Television Personalities
A memory is better than nothing
(Rocket Girl) So wichtig und lang erwartet auch seit 1977 die jeweiligen Releases der TVP"s waren, so lange lässt uns Dan Treacy auch an seinen persönlichen Abgründen teilhaben. Verschroben durfte man ihn mindesten nennen, tragisch trifft es ob seiner Depressionen und Heroin-Abhängigkeit aber auch. Kommerziell seit jeher eher erfolglos, sind die TVP jedoch essentiell für die Punk- und Pop-Historie und Vorbild für viele ihrer Stars. Trotz aller persönlichen Unbill glänzt auch dieses Album mit einigen großen Psych-Pop-Songs in unvergleichlicher Art. Ich bin froh, Dan Treacy zurück zu haben. (helü)
Indie-Pop
Anthony Rother
Popkiller 2
(Datapunk) ) Nach dem ersten Popkiller (2004) sorgt der Elektronikkünstler seit über zwei Jahrzehnten für Sound auf den internationalen Dancefloors. Seine Spezialität ist aber eher der Bereich Remix und so führt die Forschungsreise auf der neuen CD zwar weiter aber nicht tiefer in musikalische Gebiete sondern verbleibt in den seichten Gewässern des herkömmlichen Techno. (ad.vocado)
Techno
Eagle Seagull
The year of the how-to book
(PIAS)Das Quintett aus Nebraska will augen- und ohren- scheinlich endlich ein größeres Stück vom Kuchen und somit eine kommerzielle Würdigung ihres Schaffens. Dafür haben sie auf ihrem dritten Album einige Ecken und Kanten glatt geschliffen und dabei manches an eigenem Profil verloren. Das ist schade. Keine Frage, der eine oder andere Renner für den Indie- Tanzflur ist ihnen trotz allem gelungen und am dem Folge- Oeuvre ähnlich gepriesener Combos gemessen ist das Album an sich auch tendenziell überdurchschnittlich, wirkliche Begeisterung will bei mir aber dennoch nicht aufkommen. (helü)
IndieDiskoPop
Harriet Lewis & Gregor Hilden Band
Soulful Stew
(Acoustic)Die studierte Vocalistin hat aus Einflüssen von Blues und Jazz, Gospel und Soul ihren ganz eigenen Ausdruck gefunden. Der Blues-Gitarrist Gregor Hilden entwickelt jedoch daraus auf dem Album trotz eleganten Spiels und fein schattierter Soli kein geschmackvolles Destillat. Gemeinsam schwimmt man solide in einem See mittlerer Größe ohne die Möglichkeit neue Horizonte erobern zu können. (ad.vocado)
Soul/Jazz/Pop
Tania Maria & hr-Bigband
It's only Love (live)
(BHM) Die ausgezeichnete Pianistin und Vokalistin aus Brasilien feiert mit der hr-Bigband ihr 26. Album und südamerikanischen Kompositionen. Orchesterleiter Jörg Achim Keller verpasste den Aufnahmen durch straffen Aufbau und Durchzug der Titel zusätzlichen Drive. (ad.vocado)
Big Band/Samba
Christian Prommer
Drumlesson Zwei
(K7) Seit dem ersten Album (2008) wurde das Ensemble vom Studio-Konzept auf eine Live-Band erweitert mit Christian Prommer (Drums, Piano, Perkussion), Uwe Karpa (Gitarre), Robert Di Gioia (Keyboard), Ernst Stroer (Perkussion), Christian Diener (Bass) und Matteo Scrimali (Drums). Instrumentale Jazz-Versionen legendärer Techno- und Elektronik-Klassiker wie Jean-Michel Jarre “Oxygène Pt. IV”, Kruder & Dorfmeister “High Noon” und Carl Craig “Sandstorms” werden gekonnt präsentiert. (ad.vocado)
Jazz/Pop
Billy Cobham
Palindrome
(BHM) Der Jazzdrummer überwindet in seiner groovebetonten Musik die Grenzen zwischen Jazz-, World- und Rootselementen. Die Soundkollagen reichen gleichzeitig in die Vergangenheit, erinnern an thematisch bekanntes Material und sind doch mit neuen Arrangements versehen frisch, kosmopolitisch und modern zusammengesetzt. Eine illustre Schar begleitet ihn; u.a. Ernie Watts (Saxophone), Dean Brown (Gitarren). (ad.vocado)
Jazz
Buika
El último trago
(Import) Die spanische Sängerin mit afrikanischem Background gleitet mit dem Pianisten Chucho Valdés mühelos von Soul zu Jazz, HipHop, spanischen Coplas und Flamenco. Sie singt nicht nur, sondern verkörpert in den Songs ihres aktuellen Albums das Erbe der legendären Sängerin Chavela Vargas: „Las ciudades“, „Sombras“, „Luz de Luna“ und weitere Kompositionen von Juan Zaizar Torres, Agustín Lara und Mario Clavell. (ad.vocado)
Soul/Flamenco
Portico Quartet
Isla
(Real World/Indigo) Bei dieser Musik mit ungewöhnlicher Dichte und doch verspielter Leichtigkeit überrascht der Umgang mit Elektronik und authentisch eingespielten Instrumenten. Der Sound besitzt raumfüllende, bewegende Dynamik, erklimmt Berge, stürzt in Täler und schwebt dahin. Das Quartett Jack Wyllie (Saxophon und Elektronik), Milo Fitzpatrick (Kontrabass), Nick Mulvey (Hang und Percussion) und Duncan Bellamy (Schlagzeug) zieht seine Stärke und Inspiration aus der Macht der Performance und kommuniziert das Potential der Musik durch deren Grundelemente: Rhythmus, Harmonie, Melodie und Timbre. (ad.vocado)
Jazz/Pop
Rusconi
It’s A Sonic Life
(Sony) Das Schweizer Trio mit Stefan Rusconi (Piano), Fabian Gisler (Bass) und Claudio Strüby (Drums) nähert sich der Mutter aller Noiserock-Bands Sonic Youth auf ihrem vierten Album aus ungewohnter, vor allem vom Jazz ausgehender Perspektive. Die Stilsymbiose wurde mit reichlich Nonchalance und Kreativität auf ein neues Niveau verfrachtet. Das ist zeitgemäßer Jazz mit außergewöhnlicher Spannkraft. (ad.vocado)
Jazz








